Pressemitteilung

Die große BRIGITTE-Studie „Mein Leben, mein Job und ich“ deutet darauf hin: Wir stehen am Wendepunkt!

Noch nie waren die Lebensentwürfe von Männern und Frauen einander so ähnlich. Und noch nie war der Wunsch nach tatsächlich gelebter Gleichberechtigung so groß.

Hamburg, 27. September 2017 – Wie denken die Frauen und Männer heutzutage über ihr Leben, ihre Perspektiven, ihre täglichen Herausforderungen? Worüber ärgern sie sich, was ist ihnen wichtig – und was weniger? Wo setzen sie ihre Prioritäten? Wie beurteilen sie ihre berufliche Situation? Für die große BRIGITTE-Studie „Mein Leben, mein Job & ich“, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos, beantworteten 2002 Frauen und Männer zwischen 18 und 69 Jahren 151 Fragen – mit höchst spannenden Ergebnissen. Männer wollen Karriere machen, Frauen legen den Schwerpunkt auf Familie? Aussagen wie diese haben ihre Gültigkeit wohl verloren. Die Lebensentwürfe der Geschlechter nähern sich einander an und waren sich noch nie so ähnlich. Der Wunsch nach tatsächlich gelebter Gleichberechtigung ist groß, doch in der Realität noch nicht erfüllt.


Die zentralen Ergebnisse der Studie:

KARRIERE ZU MACHEN IST FRAUEN HEUTE GENAUSO WICHTIG WIE MÄNNERN
Egal ob es um die Übernahme von Verantwortung geht, um die berufliche Weiterentwicklung oder ums explizite „Karrieremachen“ – in ihren beruflichen Ambitionen ziehen die Frauen heute ganz klar mit den Männern gleich. Auf die Frage „Wie wichtig ist Karriere zu machen für Ihre Zufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation?“, antworteten 48 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer mit (sehr) wichtig. Auch was die konkrete Bedeutung von Arbeit angeht, gibt es kaum noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zwar finden es Frauen wichtiger als Männer, im Beruf mit Menschen in Kontakt zu kommen (Frauen 82 Prozent, Männer 74 Prozent). Doch für beide ist ihre Berufstätigkeit vor allem gleichbedeutend mit finanzieller Flexibilität (Frauen 92 Prozent, Männer 91 Prozent) – und mit der Verrichtung einer sinnvollen Tätigkeit (Frauen 80 Prozent, Männer 81 Prozent).

TSCHÜSS MUTTERMYTHOS!
Mutter zu werden ist dagegen für die Lebenszufriedenheit vieler Frauen nicht der bestimmende Aspekt. Zumindest im Vergleich zur zentralen Bedeutung von Job (79 Prozent) und finanzieller Unabhängigkeit (94 Prozent) ist ihr Bedürfnis, Kinder zu haben oder zu bekommen, mit 68 Prozent Zustimmung auffallend nachgeordnet. Dass die Zustimmungsrate der Männer mit 60 Prozent zum Kinder-Thema bemerkenswert nahe am Wert der Frauen liegt, lässt vermuten: Auch die Männer haben ihre traditionelle Rollenzuschreibung satt. Sie wollen nicht mehr nur Karriere machen, sondern auch aktiv Väter sein.

BEI DER VEREINBARKEIT VON JOB UND KIND TRETEN WIR AUF DER STELLE

Für die bessere Work-Life-Balance von Familien wurde in den vergangenen zehn Jahren einiges getan: Elterngeld und ElterngeldPlus wurden eingeführt, der Ausbau von Kitas und Ganztagesschulen wurde vorangetrieben, immer mehr Unternehmen bieten – zumindest offiziell – flexible Arbeitszeiten und Home Office an. Trotzdem sagen nur 37 Prozent der Mütter: Beruf, Familienleben und persönliche Interessen lassen sich heute generell besser vereinbaren als vor zehn Jahren. Für 24 Prozent hat sich an der Situation nichts geändert. 29 Prozent finden sogar: Die Vereinbarkeit gelingt heute (sehr viel) schlechter. Offenbar ist noch einiges nötig, damit sich Gesellschaft und Unternehmen an die geänderten Lebensentwürfe der Frauen – und Männer – anpassen. Auf die Frage „Was meinen Sie, welche Aspekte würden Ihnen helfen, Beruf, Familienleben und persönliche Interessen besser zu vereinbaren?“ stehen ganz oben auf der Wunschliste der Mütter eine bessere finanzielle Unterstützung für Familien, z.B. höheres Kindergeld (60 Prozent), flexiblere Arbeitszeiten (48 Prozent) und mehr gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder außerhalb der Familie (34 Prozent).

FRAUEN MACHEN IM HAUSHALT AM MEISTEN. MÄNNER MACHEN GENAUSO VIEL (GLAUBEN SIE)
Männer und Frauen mögen inzwischen den gleichen Lebensentwurf haben – ihre tatsächliche Lebenssituation unterscheidet sich aber noch stark. Spätestens nach dem ersten Kind fallen Paare oft in traditionelle Rollenmuster zurück. Da der Mann häufig die besser bezahlte Stelle hat, konzentriert er sich auf den Job. Die Frau reduziert auf Teilzeit und übernimmt dafür den Großteil der – unbezahlten – Haus- und Betreuungsarbeit. Wie verbreitet dieses Modell nach wie vor ist, belegt die Aufgabenverteilung im Haushalt. Vom Waschen (77 Prozent) übers Einkaufen (54 Prozent)  bis zum Kochen (61 Prozent) – in fast allen Bereichen sagt die Mehrheit der Frauen auf die Frage „Welche der folgenden Aufgaben übernehmen hauptsächlich Sie in Ihrem Haushalt, welche Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin?“: Das übernehme hauptsächlich ich. Selbst jede zweite Mutter, die Vollzeit arbeitet, gibt an, mehr als zwei Drittel der Hausarbeit zu stemmen. Männer können – oder wollen – ein derartiges Ungleichgewicht meist nicht erkennen: Sie gehen deutlich häufiger als Frauen davon aus, dass die Aufgaben gleich verteilt sind. Besonders deutlich wird das bei Kinderbetreuung und Putzen. Hier sagen 63 Prozent (Kinderbetreuung) bzw. 49 Prozent (Putzen) der Männer, das erledigen wir gleichermaßen. Nur 32 Prozent bzw. 29 Prozent der Frauen sehen das so.

Für die repräsentative Studie „Mein Leben, mein Job und ich“ füllten 2002 Frauen und Männer zwischen 18 und 69 Jahren aus Deutschland einen Online-Fragebogen mit 151 Fragen aus. Mit 16 Frauen wurden zudem jeweils einstündige qualitative Telefoninterviews geführt. Beide Befragungen realisierte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im März und April 2017 im Auftrag von BRIGITTE.

Brigitte Huber, Chefredakteurin BRIGITTE: „Familien- und Frauenpolitik sollte jetzt eine wichtige Rolle in den Koalitionsverhandlungen der Parteien spielen. Alle drei Parteien haben in ihren Wahlprogrammen gute Ansätze, die nun verbindlich realisiert werden müssen. Gut finden wir natürlich Punkte wie das Rückkehrrecht auf Vollzeit oder die flexible Vollzeit, die die Grünen in ihrem Wahlprogramm fordern. Dasselbe gilt für die flexiblen Arbeitszeitmodelle, mit denen die FDP für eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie sorgen will, oder für den längst überfälligen Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter, den die CDU einführen will. Wie bedeutend diese Themen für die Lebenszufriedenheit der Menschen in Deutschland sind, belegen die empirischen Daten unserer aktuellen BRIGITTE-Studie.“  


Pressematerialien sind unter www.brigitte.de/studie abrufbar.

Pressekontakt

Maike Pelikan
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