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500 Kilometer zu Fuß durch Afrika

10. Januar 2018 - Zu Fuß von Ruanda nach Uganda für sauberes Trinkwasser: 29 internationale Läufer und eine 14-köpfige Crew machten sich auf den Weg zum Viva con Agua WaterWalk 2017. NEON-Chefredakteurin Ruth Fend war mit dabei.

NEON-Chefredakteurin Ruth Fend
NEON-Chefredakteurin Ruth Fend (Foto: Michael Kohls)

500 Kilometer zu Fuß durch Afrika, Sonnenstich, Knieprobleme und Fieber inklusive: Warum haben Sie da mitgemacht?
Ruth Fend: Ich habe von der Aktion durch eine befreundete Autorin erfahren, die für BUSINESS PUNK ein Porträt über Viva con Agua-Gründer Benjamin Adrion (ehemaliger FC St. Pauli Spieler) geschrieben hatte. Als sie mir vom geplanten WaterWalk erzählte, dachte ich sofort, dass es eine interessante Geschichte für NEON wäre. Weil ich noch soviel Urlaub hatte, dachte ich also: Mach ich es doch einfach selbst und verbinde meinen Urlaub mit der Geschichte.

Was war das Ziel des WaterWalks?
Es war viel schwieriger als ich dachte, nur ein Ziel zu benennen. Klar, mit den durch den WaterWalk mobilisierten Spenden sollte je ein neues Brunnenprojekt in Ruanda und Uganda finanziert werden. Einzelne Läufer haben ihre Freunde oder Unternehmen zum Spenden aufgerufen. Benny Adrion war aber etwas anderes noch wichtiger: nämlich das gerade neu aufgebaute Viva con Agua-Netzwerk in Uganda zu feiern und auszubauen. Der WaterWalk war davon nur ein Teil, gleichzeitig fanden in Kampala eine "Millerntor Gallery" und zum Abschluss ein Konzert statt, auch ugandische Medien berichteten darüber und sorgten für Aufmerksamkeit. Von den 29 Läufern stammten acht aus Uganda, der Walk hatte damit auch eine gewisse Teambuildung-Funktion. Den Aktivismus von Viva con Agua macht gerade aus, dass sie nicht immer sofort wissen, wo die Reise hin geht, sich aber trotzdem auf den Weg machen. Dass Viva con Agua deutschlandweit bekannt wurde, lag zum Beispiel auch an einem Marsch, den sie 2008 von Hamburg nach Basel unternommen haben.

Was hat NEON damit zu tun?
Ich habe am WaterWalk einerseits privat teilgenommen, andererseits auch als NEON-Autorin und Medienpartnerin. Als solche haben wir einen Fotografen für die Dokumentation des Walks finanziert, dessen Bilder wir Viva con Agua zur Verfügung gestellt haben. Über den Facebook- und Instagram-Account von NEON habe ich auch immer mal wieder vom Marsch berichtet. In der neuen NEON ist außerdem mein Artikel über den WaterWalk zu finden (Erscheinungstag: 8.1.). Dass wir uns für eine Medienpartnerschaft entschieden haben, liegt einfach an dem guten Match, das die Organisation und das Magazin haben: Wir teilen die gleiche Zielgruppe und finden das, was Viva con Agua auf die Beine stellt und bewirkt, inspirierend für unsere Leser.

Wie haben Sie die Zeit vor Ort erlebt und was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Die vier Wochen in Ruanda und Uganda waren auf jeden Fall intensiv – in vielerlei Hinsicht. Zum einen natürlich körperlich. Wir waren ja alle keine Extremsportler und sind im Schnitt täglich 25 km gewandert. Irgendwann spürt man da die Dauerbelastung, was bei mir zum Beispiel zu entzündeten Sehnen rund ums Knie geführt hat. Dazu kam der Wechsel aus heftigen Niederschlägen – wir waren in der Regenzeit unterwegs – und schwüler Hitze, und jeden Tag zu zelten, irgendwo auf dem Fußballplatz einer Schule, mit rudimentären Latrinen, ist nun auch nicht gerade erholsam. Wegen einem Sonnenstich, Knieproblemen und Fieber bin ich faktisch nur 340 km gelaufen. Dass wir überall, zum Teil auch ohne Ankündigung und völlig ohne Bezahlung, unsere Zelte aufbauen durften, war aber ebenso beeindruckend wie die Aufmerksamkeit, die wir mit unserem Tross erregten. Gerade im dicht besiedelten Ruanda wurden wir sofort umringt von zahllosen Kindern. Ich hatte das Gefühl, Teil eines bizarren Wanderzirkus’ zu sein, fand das aber einen ganz schönen Rollentausch: Wir waren nicht auf Safari, sondern haben die Einheimischen unterhalten, mit Seifenblasenpusten, Jonglieren, Gitarrespielen, Yogaübungen oder einfach mit unserer Existenz.

NEON Ausgabe 2/2018
Den ausführlichen Bericht zum WaterWalk gibt's in NEON Ausgabe 2/2018 zu lesen

Was ist Ihr Fazit zum Projekt – auch für Sie selbst?
Als erstes muss man festhalten, dass wir die anvisierte Spendensumme von 30.000 Euro für die Brunnenprojekte übertroffen haben, was großartig ist. Darüber hinaus hat die Aktion wohl jeden von uns zum Nachdenken angeregt. Über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Ugandern, darüber, wie man eigentlich am besten hilft oder wie man deutlich ärmeren Menschen auf Augenhöhe begegnen kann. Über die oben erwähnten, manchmal diffusen Ziele haben wir in der Gruppe immer wieder lebhaft diskutiert. Zum Beispiel: Sollten wir wirklich mit den Leuten vor Ort Hygieneerziehung betreiben, ist das angemessen, bringt das etwas? Am Ende hatten wir oft spielerische Interaktionen an den Schulen, haben manchmal einfach nur gegen eine Schülermannschaft Fußball gespielt. Wenn es nur darum ginge, möglichst viele Brunnen zu bauen, kann man auch direkt an die Welthungerhilfe spenden, die ohnehin mit den Spendeneinnahmen von Viva con Agua die Wasserprojekte umsetzt. Wer für Viva con Agua spendet, unterstützt darüber hinaus internationale Netzwerke und das Engagement junger Leute, und dazu hat der WaterWalk sicherlich beigetragen.