Pressemitteilung

Bildung und Wohlstand sind die besten Voraussetzungen für Gesundheit

Der Stern zeigt in der aktuellen Ausgabe 51/2012 den großen "Gesundheitsatlas Deutschland". Mittels umfassender Datenanalyse wird deutlich: Gesunde Deutsche leben an Orten, wo sich Gebildete und Einkommensstarke finden. Dort, wo der Mensch mutmaßlich früh lernte, auf seinen Körper zu achten.

Hamburg, 13. Dezember 2012
Ob es um den Rücken oder das Herz geht: In Deutschland sind die Menschen in wirtschaftlich starken Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg besonders gesund. Das zeigt der stern, der die regionalen Unterschiede beim Thema Gesundheit unter die Lupe genommen hat. So wohnen die langlebigsten Deutschen im Münchner Umland – genauer gesagt im Landkreis Starnberg. Anhand der Analyse wird deutlich: Hierfür sind Bildung und Wohlstand verantwortlich.

Lebenserwartung ist im Landkreis Starnberg am höchsten
Im Landkreis Starnberg leben Frauen und Männer deutlich länger als an anderen Orten Deutschlands. Dort haben 60-jährige Männer im Durchschnitt noch fast 25 Jahre vor sich, Frauen verbleiben sogar knapp 27 Jahre. Am Starnberger See wohnen die meistenEinkommensmillionäre – und es gibt die höchste Ärztedichte Deutschlands. Der Kreis liegt um mehrere Jahre über dem bundesweiten Durchschnitt von 21,6 Jahren für 60-jährige Männer und 25,1 Jahren für gleichaltrige Frauen. Noch größer ist der Abstand der Methusalem-Region zu den gesundheitlich am stärksten benachteiligten Städten und Kreisen Deutschlands. Zu den Problemzonen zählen unter anderem Gelsenkirchen (NRW), Pirmasens (RLP) und der Landkreis Jerichower Land (SA).
Die Statistik, die eine ausgeprägte gesundheitliche Ungleichheit im Land belegt, ist Teil einer umfassenden Analyse großer Datenbestände, die der stern für seine Titelgeschichte der Ausgabe 51 "Gesundheitsatlas Deutschland" angefertigt hat. Neben der Darstellung der Lebenserwartung sind darin flächendeckende Karten zu Herzkrankheiten, Rückenleiden, Brust- und Lungenkrebs sowie Depressionen enthalten. Die Übersichtskarten weisen die Daten der mehr als 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands aus. Reporter reisten in die "gesündesten" Regionen, um sich vor Ort ein Bild zu machen, was die Ursachen der jeweiligen Bestplatzierungen sind.

Herzen schlagen in Münster am längsten und die stärksten Rücken gibt es in Heidelberg
Münster (NRW) erwies sich als die Stadt mit den wenigsten Sterbefällen durch Herzinfarkte – und ebenso als Metropole der Radfahrer. Am wenigsten von Rückenschmerz gequält sind offenbar die Einwohner der Stadt Heidelberg (BW): Eine junge Bevölkerung, ein geringer Anteil schwerer körperlicher Arbeit zugunsten eines umso größeren Dienstleistungssektors sowie ein hohes Gesundheitsbewusstsein tragen dazu bei.

Lungenkrebs macht sich in Schwabach und Rottweil rar
Eine eindeutige Beziehung früheren Rauchverhaltens zur heutigen Lungenkrebssterblichkeit (häufigste tumorbedingte Todesursache der Männer) zeigte sich bei der Betrachtung der diesbezüglichen Daten: Verschont bleiben vor allem die Menschen in der Stadt Schwabach (BY) und im Landkreis Rottweil (BW). Hier sind hauptsächlich Bevölkerungsgruppen beheimatet, die aufgrund ihres Bildungsgrades und der sozialen Stellung durch die Nikotinsucht wenig gefährdet sind: Allgemein zeigt sich, dass bessergestellte Gruppen individuell und insgesamt lebenslang weniger rauchen. Weitere Risikofaktoren für den Lungenkrebs sind zum Beispiel auf die Beschäftigung im Bergbau zurückzuführen und entsprechend regional verteilt.

Brustkrebs zeigt kaum regionale Muster
Anders sieht die Landkarte beim Brustkrebs aus: Hier zeigen sich kaum klare regionale Muster. Experten führen das vor allem auf die von vielen Risikofaktoren (darunter auch erbliche) bestimmte Entstehungsweise der bei Frauen für die meisten Todesfälle verantwortlichen Tumorart zurück. Die Städte Zweibrücken (RLP), Weimar (TH) und Offenbach (HE) führen die "Gesunden"- Rangliste an.

Depressionen auf Rügen selten diagnostiziert
Die wenigsten Depressions-Diagnosen wurden auf Rügen gestellt; überhaupt fallen ostdeutsche Regionen durch ihre niedrigen Fallzahlen in dieser Diagnosegruppe auf. Rückschlüsse auf die tatsächliche Verbreitung von Depressionen sind schwierig, denn neben der sehr unterschiedlichen Versorgung mit Psychiatern und Psychotherapeuten haben gerade in diesem Krankheitsfeld soziale und Mentalitätsunterschiede großen Einfluss auf die Zahl der ärztlich dokumentierten Fälle.

Zur Methode
Grundlage der Analyse waren umfassende Datensätze: Mithilfe der Diagnosedaten aller 17,7 Millionen stationären Klinikpatienten des vergangenen Jahres konnte die Häufigkeit schwerer Rückenleiden bestimmt werden, die amtliche Todesursachenstatistik der Bundesländer lieferte Angaben zu den an Herzkrankheiten, Lungenkrebs und Brustkrebs Verstorbenen. Als Grundlage der Auswertung zu Depressions-Diagnosen diente eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, die auf den Abrechnungsdaten aller gesetzlich Versicherten basiert. Die Fallzahlen wurden jeweils auf die Bevölkerung der Landkreise und kreisfreien Städte bezogen. Auf eine Altersstandardisierung wurde dabei bewusst verzichtet, um auch den Einfluss der Altersstruktur in diesen Regionen deutlich zu machen. Rund 38 200 Werte aus verschiedenen Quellen flossen in die Auswertung ein, dazu mehr als 6600 ergänzende Angaben etwa zu Einkommen und Bildung.
Mehr über den "Gesundheitsatlas Deutschland" lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des stern, 51/2012.

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