Pressemitteilung

Der Henri Nannen Preis 2012 geht an:

Hamburg, 10. Mai 2012 –

lleke (DIE ZEIT), Dokumentation: Ein zwölfköpfiges Team desMagazins DER SPIEGEL, Investigation: Nikolaus Harbusch, Martin Heidemanns(BILD), Hans Leyendecker, Klaus Ott, Nicolas Richter (Süddeutsche Zeitung), Essay:Niklas Maak (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung), Fotoreportage: Kai Löffelbein(stern.de)
Weiterer Preisträger der vom Verlagshaus Gruner + Jahr und stern vergebenen Auszeichnungist der Fotograf F.C. Gundlach für sein publizistisches und journalistisches Lebenswerk.Den Preis für Pressefreiheit erhält der britische Journalist Nick Davies.

Hamburg, 11. Mai 2012
Heute Abend haben der Verlag Gruner + Jahr und der stern zum achtenMal den Henri Nannen Preis vergeben, mit dem die Bestleistungen im deutschsprachigenPrint- und Onlinejournalismus ausgezeichnet werden. Die insgesamt 22 Preisträger wurden imRahmen einer festlichen Veranstaltung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg vor rund 1.200prominenten Gästen aus Medien, Kultur, Politik und Wirtschaft geehrt.Der Henri Nannen Preis 2012 wird verliehen an Stefan Willeke (Reportage), Kai Löffelbein (Fotoreportage),Ferry Batzoglou, Manfred Ertel, Ullrich Fichtner, Hauke Goos, Ralf Hoppe, ThomasHüetlin, Guido Mingels, Christian Reiermann, Cordt Schnibben, Christoph Schult, ThomasSchulz, Alexander Smoltczyk (Dokumentation), Nikolaus Harbusch, Martin Heidemanns (Investigation),Hans Leyendecker, Klaus Ott, Nicolas Richter (Investigation), Niklas Maak (Essay).
Der Fotograf F.C. Gundlach wird vom Verlagshaus Gruner + Jahr und dem stern für sein Lebenswerkgeehrt. Der Preis für Pressefreiheit geht an den britischen Journalisten Nick Davies.Den Henri Nannen Preis für die beste Reportage erhält Stefan Willeke von der ZEIT. Mit WillekesArbeit hat sich die Jury für ein besonderes Porträt entschieden. Es handelt sich strenggenommenum ein Porträt und eine Reportage, um eine konturenscharfe Beschreibung und einRoad-Movie, um die Erklärung eines Menschen und die Wiedergabe einer Reise. Der ReporterWilleke hat den RWE-Konzernchef Jürgen Großmann auf seiner Reise in das von der atomarenKatastrophe heimgesuchte Japan begleitet, dabei seinen Titanenkampf gegen den drohendenAtomausstieg in Deutschland beobachtet und erlebt, wie der mächtige Ausnahmeboss der Energiewirtschaftsich immer mehr in einen unfreiwilligen Aussteiger verwandelt. Willeke, so heißt esin der Jury-Begründung, „beschreibt Großmann aus größtmöglicher Nähe, mit skelettierenderGenauigkeit aber zugleich mit großer literarischer Kunst.;ldquo; Der Reporter sei dem richtigen Mannzur richtigen Zeit am richtigen Ort begegnet, „er hat diese Begegnung in einen Text von meisterhafterDramaturgie und Sprache verwandelt und damit die Reportage des Jahres vorgelegt.;ldquo;
In der Kategorie Dokumentation geht es um die besonders verständliche und anschauliche Darstellungeines komplexen Sachverhaltes. Am besten gelungen und daher preiswürdig ist dies nach Meinung der Jury dem zwölfköpfigen Team des SPIEGEL, das einen Sachverhalt dargestellt hat,wie er nicht komplexer, unverständlicher und unanschaulicher sein könnte: jene Entwicklung, dieaus unserem guten Geld die gefährlichste Währung der Welt werden ließ. Die Autoren haben anvielen Stellen und bei vielen Personen recherchiert, die Genese des Euro bis ins kleinste Detaildurchleuchtet und das Ergebnis ihrer umfassenden Recherchen in wohldosierten und glänzendformulierten Texten festgehalten, die zu einem spannend zu lesenden Dossier von höchstemAufklärungswert zusammengefügt wurden. Die Arbeit, so die Jury, „inzwischen acht Monate altund immer noch brandaktuell, ist eine großartige journalistische Kollektivleistung, die ein ebensowichtiges wie sperriges Thema verständlich und sogar zu einem Lesevergnügen werden lässt.;ldquo;Für die Bewertung einer investigativen Arbeit sind zwei Kriterien wesentlich: Die Recherche-Leistung des Reporters und die gesellschaftliche Bedeutung seiner aufklärenden Enthüllung.Bei der Diskussion des ersten Punktes konnte sich die Jury relativ schnell darauf einigen, dassHans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der Süddeutschen Zeitung eine besondereLeistung erbracht haben. „Sie haben an einem Nullpunkt angefangen. Es gab kein staatsanwaltlichesErmittlungsverfahren, keinen Koffer voller Informationen, keinen Whistle Blower. Es gabnur den Verdacht, dass hinter dem Skandal um die Bayerische Landesbank mehr steckte, als bisEnde 2010 bekannt geworden war.;ldquo; Systematisch begannen die Journalisten die Rolle der verdächtigenBankmanager bei diesem Skandal zu erforschen und deren Vermögensverhältnisse zurecherchieren. Dabei stießen sie auf ein dubioses, aber gut getarntes Firmengeflecht in Österreichund auf eine merkwürdige Privatstiftung des früheren Bankvorstands Gerhard Gribkowsky. Aufhalber Strecke der Recherchen schaltete sich dann die Staatsanwaltschaft ein. Am Ende wurde einganzer Sumpf von Korruption, Erpressung und Bestechungszahlungen rund um Gribkowsky,Bernie Ecclestone und den Formel-1-Zirkus enthüllt. „Ohne die monatelange hartnäckige Arbeitder SZ-Journalisten;ldquo;, so die Jury, „wäre wahrscheinlich bis heute nichts davon ans Licht gekommen.Ein Fall von großartiger Reporter-Leistung.;ldquo;
Aber auch eine zweite investigative Leistung spielte in der Diskussion der Jury eine große Rolle:die Enthüllung von Nicolaus Harbusch und Martin Heidemanns in der BILD-Zeitung. Sie hattenfast ein Jahr lang recherchiert und waren schließlich als erste darauf gestoßen, dass der höchsteRepräsentant unseres Staates in seiner vorherigen Rolle als niedersächsischer Ministerpräsidenteinen dubiosen Privatkredit angenommen und dem Parlament nicht die volle Wahrheit gesagthatte. Der weitere Gang der Dinge ist bekannt, die Enthüllung der beiden BILD-Reporter entwickeltesich zum größten Skandal des vergangenen Jahres und führte zum Rücktritt des Bundespräsidenten.„Ein Fall;ldquo;, so die Jury, „von größtmöglicher Fallhöhe.;ldquo;
Auf der einen Seite also der Superlativ einer investigativen Leistung, auf der anderen der Superlativeiner gesellschaftlichen Wirkung, beide hielten sich die Waage. Daher vergibt die Jury denHenri Nannen Preis für Investigation in diesem Jahr an die drei Redakteure der Süddeutschen Zeitungund an die beiden Redakteure der BILD.
Über die Unwirtlichkeit unserer Städte ist schon viel geschrieben worden. Auch viel Unsinn. NiklasMaak, der Preisträger in der Kategorie Essay, räumt damit in seiner Arbeit auf. „Sein Text;ldquo;, sodie Jury, „ist eine ebenso wilde wie witzige Philippika gegen Archi-Essentialisten und die Simulationvon Urbanität, gegen ein Stadtbild anstelle der Stadt und vor allem gegen das angeblich unvermeidbareDiktat des Ökonomischen, das das Bild aktueller Städte prägt.;ldquo; Aber der Blick des Autors geht weiter, hinaus in die Vorstädte, wo er das gleiche Elend in anderer Gestalt ausmacht,wo „verputze Billigstkisten mit Gucklöchern;ldquo; stehen, „apricotfarbener Dämmputz und Plastiksprossenfenster;ldquo;als Schmuck gelten und die „Lobbys des Schlüsselfertigen;ldquo; eine absolutistischeHerrschaft ausüben. Maaks Polemik, so urteilte die Jury, „ist ein glänzender Essay voll Gedankenschärfeund stilistischem Glanz, der den Leser anstößt, die architektonische Ödnis unsererStädte und ihrer Vororte mit neuen Augen zu sehen.;ldquo;
Der Preis für die beste Fotoreportage wird Kai Löffelbein zuerkannt für eine auf stern.de veröffentlichteBildstrecke, „die mitten ins Herz trifft und ins Hirn.;ldquo; Ein Foto dieser Reportage beispielsweisezeigt schwarze Rauchwolken über einem brennenden Trümmerfeld, daneben dasWrack eines Autos – und davor einen schwarzen Jungen in Badelatschen und einem zerlumptenFußballtrikot, der einen alten Fernseher über den Kopf stemmt, um ihn zu zerschmettern und andas wertvolle Metall im Inneren heranzukommen. In der Jury-Begründung heißt es: „ Es ist einFoto wie aus dem Krieg und es ist tatsächlich Krieg, was der Fotograf auf der Giftmüllhalde imZentrum der Hauptstadt Ghanas festgehalten hat: ein Krieg um die vergifteten Reste unsereswestlichen Reichtums, ein Krieg ums Überleben, ein Krieg, den Kinder und Halbwüchsige führenmüssen, um nicht zu verhungern.;ldquo;
Der Fotograf, heißt es in der Würdigung der Jury, „hat einen genauen Blick für das Spektakuläre,aber auch für die signifikanten Details dieser Verwertungshölle. Die Bilder seiner Fotoreportagesind vorzüglich komponiert, sie sind von höchster Qualität, sie sind im klassischen Sinne schönund eindrucksvoll – sie sind aber auch analytisch und politisch und erliegen niemals der Gefahreiner Über-Ästhetisierung. Sie öffnen die Augen und begeistern sie.;ldquo;
Der Lebenswerkspreisträger Franz Christian Gundlach, 1926 im hessischen Heinebach geboren,entwickelte seine Leidenschaft für Fotografie bereits im Alter von 10 Jahren. Nachdem er nachkurzem Dienst an der Front 1946 aus französischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, absolvierteer eine Ausbildung zum Fotografen in Kassel. Im Anschluss daran arbeitete er als freierFotograf und als Assistent der Modefotografin Ingeborg Hoppe. Bald fotografierte er Modeüberall auf der Welt und publizierte seine Fotostrecken in großen Magazinen der Bundesrepublikwie Film und Frau, Brigitte, stern, Constanze und Quick. 1970 gründete F.C. Gundlach in einem ehemaligenBunker in Hamburg mit PPS (Professional Photo Service) das erste Profilabor und Mietstudiofür große Fotoproduktionen in Deutschland. In der PPS-Galerie veranstaltete er bis 1993mehr als 100 Foto-Ausstellungen namhafter Fotografen wie Richard Avedon, Horst P. Horstoder Irving Penn. Gundlachs eigene Werke waren in Ausstellungen von Beirut über Rotterdambis nach New York zu sehen. Im Jahr 2000 gründete F.C. Gundlach, der sich seit Beginn der80er Jahre zunehmend der Sammlung fotografischer Werke und der Konzeption von Ausstellungenwidmete, die Stiftung F.C. Gundlach „zur Förderung der Fotografie als künstlerisch undgesellschaftlich bedeutendes Kulturgut;ldquo;. Als Gründungsdirektor des Hauses der Fotografie inden Deichtorhallen in Hamburg war er von 2003 bis 2005 dessen künstlerischer Leiter.Mit seinen noch immer nicht abgeschlossenen Recherchen löste Nick Davies – der den HenriNannen Preis für den besonderen Einsatz für die Freiheit der Presse erhalten hat - den „NewsInternational phone-hacking scandal;ldquo; aus. Er deckte – auch gegen Widerstände aus journalistischenKreisen - auf, dass Reporter der zum Murdoch-Imperium gehörenden Zeitung News of theWorld illegale Abhör- und Bestechungsmethoden nutzten, um an Informationen zu kommen. Sahes in den Jahren von 2005-2007 so aus, als würden vor allem Prominente und Politiker abgehört,stellte sich durch Recherchen von Davies im Jahr 2011 heraus, dass auch Privatpersonen abgehörtwurden, darunter Soldatenwitwen und die Mailbox eines 13jährigen Mordopfers. Als daraufhinProteste aus der Bevölkerung einsetzten und Boykotte der Werbekunden gegen die NewsCorporation drohten, entschied Murdoch, die seit 168 Jahren erscheinende BoulevardzeitungNews of the World einzustellen. Der Skandal hat sich mittlerweile auch auf die Britische Regierungausgeweitet und seine Kreise bis nach Amerika, dem Hauptsitz der News Corporation, gezogen.Der Zeitungsskandal ist der größte der englischen Nachkriegsgeschichte und löste eine weltweiteDebatte über die Macht und Moral der Medien aus.
Der 1953 im Süden Englands geborene Nicholas John Allen, genannt Nick Davies, entstammtder englischen Mittelschicht. Nach seinem Politikstudium in Oxford begann er seine Laufbahnals Journalist bei einem regionalen Blatt in Devon in Südengland. 1976 ging Davies als Traineezum Trinity Mirror Verlag, bei dem das Boulevard-Blatt Sunday People erschien. Im Jahre 1979wurde er Reporter beim Guardian, seit 1989 schreibt er für den Guardian als freier Journalist mitBasis in seiner Heimatstadt Lewes, in der er mit seiner Lebensgefährtin lebt. Davies hat drei erwachseneKinder.
Mit dem Henri Nannen Preis stellen Gruner + Jahr und der stern die Bedeutung von anspruchsvollemPrint- und Onlinejournalismus heraus und erinnern zugleich an das Werk des stern-Gründers Henri Nannen (1913-1996). Der Preis ist mit insgesamt 35.000 Euro dotiert. Außerdemerhalten die Preisträger den „Henri;ldquo;, eine von dem Berliner Bildhauer Rainer Fetting geschaffeneBronzeskulptur Henri Nannens im Andenken an dessen Lebenswerk. Ein aufwendigesSichtungsverfahren sowie eine hochkarätige Jury, der erfahrene Journalisten, Autoren, Chefredakteureund Herausgeber großer Verlage Deutschlands angehören, gewährleisten die Unabhängigkeitder Auszeichnung. Um den „Henri 2012;ldquo; bewarben sich Journalisten mit 872 Arbeiten aus154 Print- und Onlinepublikationen.
Der Hauptjury des Henri Nannen Preises gehören an: Peter-Matthias Gaede (ChefredakteurGEO), Margot Klingsporn (Inhaberin der Fotoagentur FOCUS), Giovanni di Lorenzo (ChefredakteurDIE ZEIT), Helmut Markwort (Herausgeber Focus), Georg Mascolo (ChefredakteurDER SPIEGEL), Nils Minkmar (Ressortleiter Feuilleton Frankfurter Allgemeine Zeitung), Felix E.Müller (Chefredakteur NZZ am Sonntag), James Nachtwey (Fotograf), Thomas Osterkorn (Chefredakteurstern, im jährlichen Wechsel mit seinem Kollegen Andreas Petzold), Jan-Eric Peters(Chefredakteur DIE WELT-Gruppe), Ines Pohl (Chefredakteurin taz), Richard David Precht(Autor), Ulrich Reitz (Chefredakteur Westdeutsche Allgemeine Zeitung), Anja Reschke (Autorin undModeratorin Panorama) und Gerhard Steidl (Verleger).

Weitere Informationen zum Henri Nannen Preis unter:
www.henri-nannen-preis.de
Für Rückfragen:
Susanne Hacker
Kommunikation Henri Nannen Preis
G+J-Unternehmenskommunikation
Telefon +49 (0) 40 / 37 03 - 27 97
E-Mail hacker.susanneguj.de