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Start der Dokumentation „STERN CRIME: Der letzte Anruf – Wer hat Frauke Liebs getötet“

Hamburg, den 08.11.2021
„Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Wir sind ein eingespieltes Team“, erzählt Giuseppe di Grazia im Interview zur Zusammenarbeit von STERN CRIME, UFA Show & Factual und RTL+.

Nach „Der Maskenmann“ ist ab heute, dem 8. November die nächste gemeinsame TV-Produktion von STERN CRIME, UFA Show & Factual und RTL+ zu sehen: „STERN CRIME: Der letzte Anruf – Wer hat Frauke Liebs getötet“ – die Ausstrahlung bei VOX folgt am 24. November 2021. Den Start bei RTL+ haben wir zum Anlass genommen, mit den Machern aus allen drei Bereichen zu sprechen: 

  • Marcel Amruschkewitz, Chefredakteur und Bereichsleiter Unterhaltung VOX 

  • Ralf Jühe, Executive Producer bei UFA Show & Factual 

  • Giuseppe Di Grazia, Redaktionleiter STERN CRIME 

  • Dominik Stawski, verantwortlicher Reporter STERN 

Was hat es mit dem Fall auf sich, was ist das Besondere an dem Fall?  

Giuseppe di Grazia, Redaktionsleitung STERN CRIME: Der Fall gehört zu den rätselhaftesten Verbrechen unseres Landes. Eine junge Frau verschwindet mitten aus einer belebten Innenstadt, wird entführt, es gibt keine Lösegeldforderung oder Ähnliches. Stattdessen verstörende Lebenszeichen über ihr Handy. Bis Stille einkehrt und Monate später ein Jäger ihren Leichnam findet. Bis heute quälen die Familie und die Freunde drei Fragen: Was ist eigentlich passiert? Wer war das? Und warum?   

 Dominik Stawski, verantwortlicher Reporter beim STERN: Ich habe Fraukes Familie und einige ihrer Freunde 2015 kennengelernt, als ich das erste Mal für STERN CRIME über den Fall berichtet habe. Nach der Veröffentlichung gab es noch einmal neue Hinweise und Vernehmungen. Seitdem sind wir in Kontakt geblieben und immer schwebte die Idee im Raum, ein größeres Projekt zu machen. Weil eines ganz sicher ist: Wenn dieses Verbrechen vergessen wird, dann gibt es keine Chance auf Aufklärung. Es braucht den entscheidenden Hinweis. Und das ist das zentrale Ziel unseres Projekts. Wir wollen mit unserer Berichterstattung, ob mit der Doku, mit unseren Artikeln oder einem Social-Media-Post, einen entscheidenden Zeugen erreichen, der sagt: Ich weiß etwas.  

Warum startet die Dokumentation jetzt? Der Fall selbst liegt ja 15 Jahre zurück. 

Marcel Amruschkewitz, Chefredakteur und Bereichsleiter Unterhaltung bei VOX: Auch 15 Jahre nach Frauke Liebs Verschwinden haben ihre Familie und enge Freunde noch keine Gewissheit über die Umstände ihres Verschwindens und keine Antwort auf die Frage, wer die junge Frau getötet hat. In der Doku rollt die Familie den Fall nun nochmal gemeinsam mit unserem Autor:innen-Team in großer Detailtiefe auf – in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Antwort auf ihre drängenden Fragen zu bekommen. 

Dominik Stawski: Das erste Mal sprachen wir vor fast fünf Jahren über die Idee, ein solches Projekt umzusetzen. Aber damals konnten es die Beteiligten nicht. Da reicht die Kraft, bei manchen auch schlicht die Zeit nicht. Ingrid Liebs hat bis vor einigen Jahren ein Gymnasium geleitet, heute ist sie in Pension und hat jetzt, ziemlich genau 15 Jahre, nachdem man Frauke tot aufgefunden hat, die Kraft, den ganzen Fall mit uns neu aufzurollen. Ingrid Liebs sagt: „Dies ist mein letzter Versuch.“ Und so empfinden es viele der Beteiligten. Sie fragen sich auch, wie wohl die 15 Jahre für den Täter waren. Lebt er ein ganz normales Leben? Sind sie ihm schon mal begegnet? Sie wissen ja nicht einmal, ob es ein Täter war oder mehrere. Ob es ein Mann oder eine Frau war. 

Das vergangene Jahr hat auch noch einmal Bewegung in den Fall gebracht: Mutter Liebs hat mit Unterstützern eine Belohnung von 30.000 Euro ausgelobt. Und erst vor ein paar Monaten, mitten in unserem Projekt, hat Frau Liebs durchgesetzt, in die Ermittlungsakten schauen zu dürfen – das erste Mal nach all den Jahren. Das ändert eine Menge, weil sie nun in der Lage ist, ihr Wissen in die Ermittlungen einzubringen – sofern sich die Polizei da auch offen zeigt. 

Was ist das Besondere an dieser Dokumentation?  

Ralf Jühe, Executive Producer bei UFA Show & Factual: Die Familie und die Freunde von Frauke Liebs leben 15 Jahre in Ungewissheit. Damit umzugehen erfordert eine große Sensibilität. Wir haben jederzeit das große Vertrauen gespürt, aber auch die Hoffnung, die mit der aufwändigen dokumentarischen Umsetzung verbunden ist. Dem wollen wir natürlich gerecht werden. 

Wie macht man aus einer Magazine-Geschichte, den zugrunde liegenden Interviews und Recherchen eine filmische Dokumentation, wie entsteht daraus ein Drehbuch? Worauf war bei der Produktion zu achten?  

Ralf Jühe: Wie schon erwähnt, hat uns das große Vertrauen von Ingrid Liebs sehr geholfen. Sie hat uns einen Einblick in das Archiv der Familie gewährt, sodass wir der Person Frauke Liebs auch visuell sehr nahekommen konnten. Dazu kommen die eindringlichen und trotz großer Emotionalität stets bedachten Interviews mit Ingrid Liebs und Familienmitgliedern und engen Freunden von Frauke. Eine große Herausforderung bei der Erzählung des Falls war es, nicht nur chronologisch einen ungeklärten Mordfall abzuarbeiten, sondern immer wieder auch darauf zu achten, Inhalte zu betonen, die möglicherweise zu neuen Hinweisen führen. Denn darum geht es der Familie von Frauke Liebs. 

Wie lief die Zusammenarbeit ab, gab es eine klare Aufgabenteilung o.ä.?  

Giuseppe di Grazia: Wie schon bei unserer Doku "Der Maskenmann" funktionierte auch bei diesem Film die Zusammenarbeit hervorragend, wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Vor allem haben STERN CRIME, RTL/VOX und die UFA das gleiche Verständnis, wie man diese Geschichten sensibel und trotzdem packend erzählen kann. Und wie man mit den betroffenen Menschen umgeht, die alles andere als medienerfahren sind. 

Dominik Stawski: Die UFA- und VOX-Kolleg:innen sind Profis im Filmemachen. Sie wissen, welche Bilder es braucht, um so einen sensiblen Fall in knapp 100 Minuten zu erzählen. Im Team entwickelten wir eine Dramaturgie. Ich war derjenige, der vor allem das Inhaltliche im Blick hatte. Vor Ort waren wir in den allermeisten Fällen zu viert: Ein Kameramann, ein Tontechniker, eine Filmemacherin und ich, der die Interviews führte. Ich hatte mich davor gefragt, wie es gelingen kann, solche intimen und emotionalen Interviews zu führen, während eine Kamera läuft und der Lichtspot auf die Person gerichtet ist. Aber unser Rezept war Geduld, wir haben an dieser Stelle absichtlich mehr Drehtage eingeplant. Nach einer Weile konnten die Beteiligten das Setting fast vergessen. Aber später sagten sie uns auch, wie sehr sie die Interviews aufgewühlt haben. Da wird einem klar, wie viel wir Journalisten erwarten. Für die Beteiligten kommen belastende Erinnerungen und Ängste hoch, einige der Protagonisten standen selbst unter Tatverdacht. Und doch waren sie bereit, mit uns stunden- und tagelang zu reden. Davor habe ich großen Respekt.  

Ralf Jühe:  Die Zusammenarbeit mit den Kollegen von STERN CRIME war bei diesem Fall besonders eng. Dominik Stawski hat den Fall Frauke Liebs schon für das Magazin STERN CRIME erzählt. In dieser Zeit hat er eine große Bindung zur Familie und zu den Freunden von Frauke Liebs geschaffen. Diese Verbundenheit hat uns natürlich sehr geholfen, immerhin haben wir über einen Zeitraum von fast 5 Monaten gedreht. Immer wieder kamen Erinnerungen hoch, das ist nicht einfach. Doch das gemeinsame Ziel war immer wieder unser Antrieb.