Inside G+J

„Die Kooperation hat unsere Arbeit bereichert“

Hamburg, 1.3.2021 – Am 1. März lernt das Magazin STERN CRIME laufen, dann startet auf TV Now – dem Streamingdienst der Mediengruppe RTL – die dreiteilige True-Crime-Dokumentation STERN CRIME: Der Maskenmann.

Produziert wurde die Dokumentation von der UFA Show & Factual. Im G+J-Intranet erzählt Redaktionsleiter Giuseppe Di Grazia, der das Magazin STERN CRIME vor knapp sechs Jahren aus der Taufe gehoben hat, über die Produktion, die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen der Bertelsmann Content Alliance und die Zukunft der Printmarke.

Wie viel vom Original-Magazin steckt in der Fernsehproduktion?

Sehr viel. Es war immer unser Ziel, unsere dichte, zurückhaltende und empathische Erzählweise, die einen großen Erfolg des Heftes ausmacht, auch bei unseren Film-Plänen einzusetzen, was uns bei der Maskenmann-Doku auch gelungen ist: Die Hintergründe der Taten werden detailliert aufgearbeitet, der Profiler Alexander Horn und der damalige Soko-Leiter Martin Erftenbeck geben tiefe Einblicke in ihre Ermittlungen, erzählen, wie sie dem Täter in der finalen Vernehmung ohne richtigen Beweis doch noch ein Geständnis abrangen. Opfer und deren Angehörige schildern sehr eindringlich, wie sie unter den Taten des Maskenmannes bis heute noch leiden. Und unsere STERN-CRIME-Autor:innen Kerstin Herrnkind und Bernd Volland berichten von ihren jahrelangen Recherchen an diesem Fall.

Warum habt ihr euch entschieden, den Fall des „Maskenmanns“ zu erzählen?

Weil es eine Geschichte ist, die aus einem bösen Märchenbuch stammen könnte: der vermummte Mann, das Urbild des unheimlichen Unbekannten, der in innerste, geschützte Bereiche eindringt. Der bei seinen Taten eine schwarze, lederne Motorradkluft trägt, dazu eine schwarze Maske, die nur Augen, Mund und Nasenlöcher erkennen lässt. Der nachts in Schullandheimen und in Wohnungen eindringt. Seit Anfang der 90er Jahre hatte er die Bevölkerung in Angst und Aufruhr versetzt. Es war eine fast 20 Jahre lange Suche nach einem Phantom. Ein Fall, der unter die Haut geht.

 

Die TV-Serie ist ein Bertelsmann Content Alliance-Projekt von STERN CRIME, der UFA und TV Now. Wie war die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen, wo habt ihr Gemeinsamkeiten entdeckt, wo Unterschiede?

Als wir alle gemeinsam im so genannten Writers‘ Room in Köln zusammenkamen, hatten die Kolleg:innen der UFA die Geschichte des Maskenmanns auf etwa 220 Karteikarten runtergebrochen, also in einzelne Szenen. Ich war beeindruckt, wie sie es geschafft hatten, diesen umfangreichen und komplexen Fall schon so aufzubereiten. Dann haben wir gemeinsam mit dem Fallanalytiker Alexander Horn aus diesem Material die drei Folgen der Dokumentation konzipiert. Wir hatten dafür wie echte Profiler drei Wände, auf die wir die einzelnen Karteikarten verteilt haben. Jeder hat dabei seine Stärken und Kompetenzen eingebracht, vieles ergänzte sich, und bei den wenigen strittigen Punkten hatten wir in Alexander Horn so etwas wie unseren Ober-Schiedsrichter. Am Ende waren wir von der Kooperation alle sehr angetan, weil sie nicht nur eine sehr gute Dokumentation hervorgebracht hat, sondern uns auch alle in unserer Arbeit bereichert hat. Wir freuen uns alle schon auf die nächsten Fälle aus STERN CRIME, die wir für TV Now filmisch erzählen werden.

STERN CRIME ist schon längst kein reines Printangebot mehr. Welche Strategie verfolgt ihr mit der Marke?

Mit dem jetzigen Start der TV-Serie erreicht STERN CRIME einen weiteren Meilenstein in der Weiterentwicklung der Marke. Vor mehr als fünf Jahren haben wir mit dem Magazin, das inzwischen einige Nachahmer gefunden hat, ein neues Zeitschriftensegment ins Leben gerufen. Unser Original steht wie kaum ein anderes Heft für qualitativen und seriösen Kriminal-Magazin-Journalismus. Damit war STERN CRIME eine Printerfolgsgeschichte von Anfang an, fand schnell eine treue Leserschaft und wuchs. Und dann merkten wir: Da steckt viel mehr drin, unsere Fans wollen noch tiefer eintauchen in die Geschichten, Hintergründe erfahren und interessieren sich für die Arbeit der Redaktion. So begannen wir, STERN CRIME ab 2017 kontinuierlich zu einer multimedialen True-Crime-Marke auszubauen. Mit der Premiere von STERN CRIME Live, den inzwischen mehr als 30 inszenierten Lesungen von Magazin-Geschichten mit Schauspieler Christian Redl, gelang der Startschuss für den Markenausbau. Mittlerweile ist die Marke auf jedem Kanal präsent und spricht sozusagen alle Sinne an. So gibt es zwei Podcasts. Zusammen mit Eat the World begleitet STERN CRIME Besucher:innen im Rahmen von Stadttouren an die Schauplätze wahrer Verbrechen. Im Herbst 2019 folgte mit STERN CRIME PLUS das erste digitale Angebot im True-Crime-Segment. Im Februar des darauffolgenden Jahres feierte der CRIME DAY Premiere, eine Eventreihe in Zusammenarbeit mit der Verlagsgruppe Random House. Erst vor kurzem haben wir die STERN CRIME Masterclasses eingeführt. In den Live-Onlinekursen sprechen renommierte Kriminalexpert:innen über ihr Fachgebiet und vermitteln den Teilnehmer:innen Kenntnisse ihrer Arbeit. Und wir haben noch weitere Ideen, wie wir Geschichten und Aspekte unseres Magazins über weitere Kanäle für die Fans erlebbar machen. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Worin liegt die Faszination an True Crime?

Die Antwort ist banal, aber ich glaube, dass sie zutrifft: weil True Crime wahre Verbrechen behandelt und deshalb eine größere Neugier ausübt, der man sich als Mensch kaum entziehen kann. Im Englischen gibt es dafür den Begriff ‚thrill‘. Dieser Nervenkitzel zieht uns stärker an, wenn wir wissen, die Verbrechen sind tatsächlich geschehen. Auch wenn dadurch größere Ängste ausgelöst werden können. Aber es ist so, als würden wir so zwischen den Fingern durch auf dieses Grauenhafte schauen, auf diesen dramatischen Abgrund – und können doch den Blick nicht davon wenden.