Pressemitteilung

Henri Nannen Preis 2009 geht an: Katja Thimm (Reportage), Beat Balzli, Jochen Brenner, Klaus Brinkbäumer, Ullrich Fichtner, Hauke Goos, Ralf Hoppe, Frank Hornig, Ansbert Kneip (Dokumentation), Melanie Bergermann (Investigation), Oliver Maria Schmitt (Humor) und Yang Yankang (Fotoreportage)

Hamburg, 07. Mai 2009 – Weitere Preisträger der vom Verlagshaus Gruner + Jahr und stern vergebenen Auszeichnungen sind Jürgen Leinemann für sein Lebenswerk und Robert M;eacute;nard für seinen besonderen Einsatz für die Pressefreiheit

Heute Abend haben der Verlag Gruner + Jahr und der stern zum fünften Mal den Henri Nannen Preis vergeben, mit dem die Bestleistungen im deutschsprachigen Printjournalismus ausgezeichnet werden. Die insgesamt 14 Preisträger wurden im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg vor rund 1.200 prominenten Gästen aus Medien, Kultur, Politik und Wirtschaft geehrt.

"Die Weltwirtschaft, und mit ihr die weltweite Medienindustrie, steckt in einer nie gekannten Krise. Ungeachtet dessen haben wir uns entschlossen, auch in diesem Jahr die besten Journalisten des Jahres auszuzeichnen und sie zu feiern", erklärte der G+J-Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Buchholz. "Denn es sind diese Journalisten, die jeden Tag wieder dafür kämpfen, ihre Leser aufzuklären – auch über Hergang und Hintergründe der Krise. Die die Verunsicherung von Menschen in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit durch sichere, sachlich begründete Urteile zu ersetzen suchen. Und die Qualitätsjournalismus produzieren und damit einen wichtigen Beitrag zu Meinungsvielfalt und Pluralität leisten, also eine Säule des demokratischen Gemeinwesens sind."

Mit dem Henri Nannen Preis stellen Gruner + Jahr und der stern die Bedeutung von anspruchsvollem Printjournalismus heraus, leisten einen Beitrag zu seiner Pflege und erinnern zugleich an das Werk des stern-Gründers Henri Nannen (1913-1996). Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Außerdem erhalten die Preisträger den "Henri", eine von dem Berliner Bildhauer Rainer Fetting geschaffene Bronzeskulptur Henri Nannens im Andenken an dessen Lebenswerk.

Der Henri Nannen Preis 2009 wird verliehen an Katja Thimm (Reportage), Beat Balzli, Jochen Brenner, Klaus Brinkbäumer, Ullrich Fichtner, Hauke Goos, Ralf Hoppe, Frank Hornig und Ansbert Kneip (Dokumentation), Melanie Bergermann (Investigation), Oliver Maria Schmitt (Humor) und den Fotografen Yang Yankang (Fotoreportage). Ebenfalls ausgezeichnet werden vom Verlagshaus Gruner + Jahr und stern Jürgen Leinemann für sein Lebenswerk und Robert Mé;nard für seinen Einsatz für die Pressefreiheit.

In ihrer Sitzung am 7. Mai 2009 hat sich die Hauptjury dazu entschlossen, den Preis für die "Beste Reportage" (Egon Erwin Kisch-Preis) an Katja Thimm zu vergeben. Ausgezeichnet wird eine Reportage aus dem "Spiegel" über zwei Paare, die mit einer Alzheimer-Diagnose leben und einen vergeblichen Kampf gegen den fortschreitenden Verfall führen. "Rolf, ich und Alzheimer" ist nach Ansicht der Jury eine "tragische Entwicklungsgeschichte", welche die Autorin über anderthalb Jahre aus der Nähe verfolgt und dann sehr berührend aber völlig unsentimental, mit größter Sensibilität und Authentizität und hohem Informationswert glänzend geschrieben hat. Katja Thimm, urteilte die Jury, "konfrontiert uns mit einem immer mehr Bedeutung einnehmenden Teil unserer Wirklichkeit auf ebenso beklemmende wie großartige Weise".

Für den Beitrag "Der Bankraub", ebenfalls im "Spiegel" erschienen, wurde ein achtköpfiges Autorenteam des Magazins in der Kategorie Dokumentation ausgezeichnet. Der Text, dreimal so lang wie eine übliche Titelgeschichte, schildert an verschiedenen Akteuren und Schauplätzen in Europa und den USA Ursachen und Verlauf der Finanzkrise. Makroökonomie und kleinste Einheit, Beschlüsse in den Vorstandsetagen und das Schicksal Betroffener im zwangsversteigerten Eigenheim sind in einer weit ausholenden, blendend recherchierten und brillant informierenden Text-Montage dramaturgisch vorzüglich verbunden. Die Dokumentation macht schwer Verstehbares auf spannende und anschauliche Weise verständlich. "Die große Krise", so die Jury, "wird besonders fassbar in dem kleinen Moment, in dem sie bei einem betroffenen Menschen ankommt".

Den Henri Nannen Preis für die "Beste investigative Leistung" vergibt die Jury an die Autorin der "Wirtschaftswoche" Melanie Bergermann. "Ich habe Sie betrogen" ist der Titel ihrer Veröffentlichung aus dem Februar 2008, lange vor den ersten Anzeichen einer Bankenkrise. Für ihren enthüllenden Report hatte die Journalistin Kundenberater verschiedener Kreditinstitute erstmals dazu gebracht, offen über die bestürzenden Beratungspraktiken zu sprechen, zu denen sie durch Vorgesetzte und Verkaufsdruck gezwungen sind. Melanie Bergermann ist der Nachweis gelungen, befand die Jury, "dass gerade Menschen, die auf gewissenhafte Beratung angewiesen sind, systematisch belogen und betrogen werden".

In der Kategorie "Herausragende unterhaltsame, humorvolle Berichterstattung" wird Oliver Maria Schmitt mit dem Henri Nannen Preis 2009 für eine satirische Burleske ausgezeichnet: In der Rolle eines unbekannten türkischen Nachwuchs-Schriftstellers hatte der Journalist auf der Frankfurter Buchmesse versucht, das Manuskript eines vorgeblich vielversprechenden Bestsellers an den Mann zu bringen. Die Reaktionen von Kritikern, Agenten und Verlagsmanagern beschrieb er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unter der Überschrift: "Ich bin dann mal Ertogrul".

Der Fotograf Yang Yankang, bereits 2005 mit einem Henri Nannen Preis ausgezeichnet, ist auch dieses Jahr wieder Preisträger in der Kategorie "Beste fotografische Autorenleistung". Die Fotojury war beeindruckt von der Ausdruckskraft und archaischen Poesie der Schwarz-Weiß-Bilder, mit denen Yang Yangkang in einer von "Geo" gedruckten Fotostrecke mit dem Titel "Die starke Kraft des Glaubens" den Formenreichtum und die spirituelle Stärke des tibetischen Buddhismus dokumentiert hat.

Der Journalist und Buchautor Jürgen Leinemann wird für sein journalistisches Lebenswerk mit dem Henri Nannen Preis ausgezeichnet. Als wacher Beobachter der politischen Führungsetagen gelangen ihm intime Einblicke in das Innenleben der Politik, die die Grundlage bildeten für präzise Psychogramme der deutschen Politiker-Elite. Er portraitierte die meisten politischen Größen der Bundesrepublik, so beispielsweise die Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, oder Kurt Biedenkopf und Franz Josef Strauß.

Andreas Petzold, stern Chefredakteur: "Die Arbeit von Jürgen Leinemann ist ein Beispiel für hervorragenden Qualitätsjournalismus. Sein beinahe psychoanalytischer Blick auf die Portraitierten hat ihn meisterhaft werden lassen im Erkennen der Limitierungen der Menschen über die er schrieb. Als penibler Rechercheur und schonungsloser Analytiker hat er bei aller Schärfe des Urteils nie die Fairness vergessen." Die Laudatio auf Jürgen Leinemann hielt sein langjähriger Freund, der Intendant und Regisseur Jürgen Flimm.

Robert Mé;nard erhält den Henri Nannen Preis für seine Verdienste um die Pressefreiheit. 1985 gründete er zusammen mit drei weiteren Journalisten die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (Reporters sans fronti;egrave;res) und leitete sie von 1990 bis 2008 als Generalsekretär. Er hat sich sein Leben lang für die Demokratie, die Pressefreiheit und für die Wahrung der Menschenrechte eingesetzt.

Mit spektakulären Aktionen, die immer wieder große Wirkung erzielten, machte er die Weltöffentlichkeit auf Verstöße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und Information aufmerksam. Immer wieder wies er darauf hin, dass es ohne Pressefreiheit keine Freiheit geben könne, und setzte sich erfolgreich für inhaftierte Journalisten ein. Jury-Mitglied und stern-Chefredakteur Andreas Petzold würdigte ihn als mutigen Vorkämpfer für die Meinungsfreiheit weltweit. "Sein Einsatz für die Pressefreiheit unter vollem persönlichen Risiko ist beispielhaft. Er hat mit seinem Engagement Leben gerettet und sich um die Demokratie verdient gemacht. Diese Leistung wird durch den Henri Nannen Preis für Pressefreiheit besonders gewürdigt."

Für den Henri Nannen Preis 2009 wurden insgesamt 948 Arbeiten eingesandt. Die Artikel stammen aus 208 deutschsprachigen Medien (Print und Online) und wurden 2008 publiziert. Insgesamt wurden 355 Beiträge für die Kategorie Reportage eingesandt, 253 Beiträge für die Kategorie Dokumentation, für die Kategorie Humor 210 Beiträge, gefolgt von 74 Beiträgen in der Kategorie Fotoreportage und 56 Beitragen in der Kategorie Investigation. Aus diesen haben die Juroren 16 Beiträge von insgesamt 30 Journalisten in fünf Kategorien ausgewählt, die in der Endrunde um den "Henri" konkurrieren.

Ein aufwendiges Sichtungsverfahren sowie eine hochkarätige Jury, der erfahrene Journalisten, Autoren, Chefredakteure und Herausgeber großer Verlage Deutschlands angehören, gewährleisten die Unabhängigkeit der Auszeichnung.

Die Juroren des Henri Nannen Preises sind: Gabriele Fischer (Chefredakteurin brand eins), Peter- Matthias Gaede (Chefredakteur GEO), Elke Heidenreich (Journalistin und Schriftstellerin), HansWerner Kilz (Chefredakteur Süddeutsche Zeitung), Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur Die Zeit), Helmut Markwort (Chefredakteur Focus), Andreas Petzold (Chefredakteur stern), Ulrich Reitz (Chefredakteur Westdeutsche Allgemeine Zeitung), Frank Schirrmacher (Herausgeber FrankfurterAllgemeine Zeitung), Cordt Schnibben (Autor DER SPIEGEL) sowie die Fotografen Ellen von Unwerth und Thomas Hoepker und der Foto- und Kunstbuchverleger Gerhard Steidl, die die Fotoreportagen jurieren.

Weitere Informationen zum Henri Nannen Preis finden sich im Internet unter www.henri-nannen-preis.de.

Für Rückfragen:
Susanne Hacker
Kommunikation Henri Nannen Preis
G+J Unternehmenskommunikation
Tel: 040-3703 2729
E-Mail: hacker.susanne@guj.de