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Kann man angesichts des Krieges noch Lust auf Reisen machen?

Seit über zwei Jahren sind Reiseaktivitäten wegen Corona stark eingeschränkt, jetzt ist Krieg in der Ukraine. Warum GEO-Chefredakteur Markus Wolff Reisen trotzdem wichtig findet und seine:n Leser:innen Lust darauf machen möchte, erzählt er im Interview.

Könnt ihr mit GEO SAISON angesichts des Krieges in Europa eigentlich noch Lust machen auf das Unterwegssein, Markus?
Beim Anblick von Bomben, flüchtenden Menschen und so viel Leid mitten in Europa ist Urlaub sicherlich gerade nicht das Allerwichtigste. Und doch ist unsere Antwort ein klares: Ja. Denn für uns ist Reisen kein Synonym für reinen Orts- und Temperaturwechsel. Wir verstehen es im Sinne des Schriftstellers Mark Twain als weltumspannende, verbindende Idee. Wer wirklich reist und sich auf andere Kulturen einlässt, kann Neues und Anderes nicht als Bedrohung empfinden. Von Twain stammt der Satz: "Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit".

Greift ihr den Krieg in irgendeiner Form in der neuen Ausgabe auf?
Für unsere Januar-Ausgabe plauderten wir noch mit Wladimir Klitschko unbeschwert über sein "11 Mirrors Design Hotel" in Kiew. Kaum ein Vierteljahr später wirkt das Interview beinahe surreal.

In der aktuellen GEO SAISON haben wir eine Ukraine-Geschichte des Fotografen Simon Koy im Heft. Seine Frau stammt aus Kiew. Das Stück ist nicht als Service-Beitrag zu verstehen und nicht als Nachruf auf ein Land. Es zeigt Momente voller Wärme; Menschen, Begegnungen, friedvolle Plätze. Die Essenz des Reisens und eben ein wunderschönes Land.

Viele Menschen wird es derzeit wohl nicht ganz so sehr in die Ferne ziehen. Spiegelt sich das in eurer Heftplanung wider?
Ja, viele Menschen sind noch zurückhaltend. Aber die Nachfrage nach Fernreisen wächst, auch wenn sie noch nicht so groß ist wie vor der Pandemie. Deshalb finden sich demnächst auch wieder Destinationen auf dem Titel, um die wir jetzt mehrere Jahre einen Bogen gemacht haben, Thailand, zum Beispiel, oder New York. Aber die Deutschen haben in der Pandemie ja auch ihr eigenes Land wiederentdeckt. Und die Nahziele bleiben beliebt. Deshalb starten wir mit dem aktuellen GEO Saison eine Heftserie "Heimvorteil". Geplant sind drei Titel: Campen, Berge und Meer.

Wie sieht deine persönliche Urlaubsplanung aus?
Ich war während der Pandemie mit Reisen ziemlich zurückhaltend.  Aus dem Mund des Chefredakteurs, der selbst gern unterwegs ist, klingt es womöglich es unerwartet. Aber ich war und bin der Meinung: Um die Lage in den Griff zu kriegen, mussten wir uns beschränken. Vor einigen Wochen habe ich jetzt für meine Familie wieder einen Urlaub in Griechenland gebucht. Kommt mir das unangemessen vor, weil in einem Teil Europas Krieg herrscht? Ich finde, es ist auch wichtig für meine Familie und meine Kinder, Normalität in Krisenzeiten zu schaffen. So wie viele Menschen, haben auch wir nach zwei Jahren Corona-Pandemie Erholung dringend nötig. Dabei ist mir aber auch sehr bewusst, was das für ein Privileg ist, einfach mal "Abschalten" zu können. Urlaub schafft eben auch Resilienz, die wir alle gerade dringend brauchen.