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"Es werden wieder deutlich politischere Zeiten anbrechen"

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Felix Haas, Leitung Nachrichten bei STERN.de (Foto: Jenny Jacoby)

25. September 2017 -  Die Wahl ist vorbei, die Nacharbeit beim STERN noch lange nicht. Felix Haas, Leitung Nachrichten bei STERN.de, über den Wahltag, den Ausgang und die journalistische Aufarbeitung der Bundestagswahl.

Herr Haas, wie dürfen wir uns am Tag nach der Wahl die Situation in der STERN.de-Redaktion vorstellen?
Nach der Wahl geht es für uns erst so richtig los. Man kann im Vorfeld Themen betonen, auf Missstände hinweisen, den Wahlkampf kritisch begleiten. Aber erst mit der Entscheidung der Wähler beginnen die Koalitionsbildung und das Postengeschacher. Der Wahlausgang zeigt: Für Deutschland brechen wahnsinnig politische Zeiten an. Das treibt uns an und um. Am Morgen nach der Wahl interessieren uns beim STERN neben den Ergebnissen natürlich vor allem die kleinen und großen Geschichten rund um den Wahlabend. Wer hat sich in TV-Runden wie bei Anne Will zu weit aus dem Fenster gelehnt mit einer Aussage? Gibt es einen bislang noch nicht ganz so offensichtlichen Gewinner? Und: Was sagt das Ergebnis eigentlich über unser Land aus? Wir blicken auf die AfD-Hochburgen, unter anderem Merkels eigenen Wahlkreis, schauen darauf, warum sich die Union gestern so schwer tat, von einem enttäuschenden Ergebnis zu sprechen und fragen uns: Warum hat Martin Schulz eigentlich erst nach der Wahl so richtig in den Wahlkampfmodus gefunden?

Wahltag in Deutschland heißt besonders für die Digitalkollegen Berichterstattung rund um die Uhr. Wie hat das Team den Sonntag erlebt, wie die Ereignisse journalistisch begleitet?
Wir haben unsere Schichten am Wahl-Sonntag verdoppelt. Die Live-Berichterstattung hatte für uns oberste Priorität. Nachrichten, Stimmen und kurze Einschätzungen von vor Ort flossen in ein Format zusammen. Es ist wie eine Fernsehschaltung, nur eben in Textform. Wir merken bei allen Großereignissen, dass unser Angebot eines Liveblogs sehr starke Nachfrage findet. Dabei gilt: Wir wollen schnell sein, aber Seriösität geht immer vor. Neben dem Liveblog war für uns die Einordnung der Wahl wichtig: STERN-Herausgeber Andreas Petzold hat live aus dem Newsroom über eine Videoschalte – sowohl bei Facebook als auch bei uns auf der Seite – den Ausgang der Wahl kommentiert und die Fragen unserer Leser beantwortet. Dazu hatten wir nur eine Stunde nach Schließung der Wahllokale eine Analyse von STERN-Politik-Ressortleiter Lorenz Wolf-Doettinchem auf der Seite.

Wie hat sich die Redaktion vorbereitet, wie Print und Online verzahnt?
Wie immer bei solchen Großereignissen - zuletzt G20 - arbeiten die Print- und Online-Redaktion Hand in Hand: von der gemeinsamen Themenplanung bis hin zur allumfassenden Liveberichterstattung und dem Teilen gemeinsamer Rechercheergebnisse. Wir waren mit einem Dutzend Reporter in der Republik an den Wahlurnen und bei den Parteipartys vor Ort. Am Newsdesk haben wir das dann für den Liveblog zusammengetragen.

Mit welchen Formaten wird der STERN die Zeit nach der Wahl begleiten?
Neben dem klassischen journalistischen Repertoire - Kommentare, Reaktionen, Analysen - finden wir vor allem spannend, wie unsere Leser auf das Wahlergebnis reagieren. Über ein Live-Umfrage-Tool wenden wir uns in allen unseren Artikeln zur Wahl mit Fragen wie "Wie zufrieden sind sie mit dem Wahlergebnis?" oder "Sind Sie überrascht von dem starken Ergebnis der AfD?" direkt an unsere User. Aus den Ergebnissen lassen sich wieder jede Menge spannende Geschichten zur Weiterdrehe ziehen.