Pressemitteilung

Gruner + Jahr verschärft seine Kritik an der Grosso-Handelsspanne

Hamburg, 17. März 1999 –

Gruner + Jahr verschärft seine Kritik an der Grosso-Handelsspanne: Wettbewerbsverzerrende Subventionierung der neuen, niedrigpreisigen TV-Titel und Diskriminierung von hochpreisigem Qualitätsjournalismus

Gruner + Jahr beanstandet weiterhin die Subventionierung der Titel TV direkt (Sebaldus) und TV 14 (Heinrich Bauer). Entgegen den bisherigen Usancen hat das Grosso bei diesen beiden Titeln zugestimmt, über einen längeren Zeitraum die ihm verbleibende Handelsspanne pro Exemplar nicht mehr nach dem angekündigten oder vorhersehbaren Normal-, sondern nach dem niedrigeren Aktions- bzw. Einführungspreis zu berechnen. Damit werden diese beiden Verlage gegenüber ihren Wettbewerbern bevorzugt, da sie deutlich weniger Mittel für den Markteintritt aufbringen müssen. Dies gilt umso mehr, als Sebaldus bei den ersten drei Ausgaben von TV Direkt die Handelsspanne auf einer Basis von DM 1,80 berechnet hat, nun aber mitten in der Auseinandersetzung im Programmzeitschriftenmarkt günstigere Konditionen auf Basis einers Copypreises von DM 1,20 erhält. Wenn der Heinrich Bauer Verlag im übrigen den gegenwärtigen Preis von TV 14 (DM 1,20) als den Normalpreis deklariere, lasse dies angesichts der Ausstattung und des Umfangs des Titels (150 Seiten, fester Umschlag) nur den Schluß zu, daß Bauer offensichtlich ein dauerhaftes Verlustgeschäft für Verlag und Handel beabsichtige.

In diesem Zusammenhang hält Gruner + Jahr auch an der schon seit Jahren geübten Kritik an der Handelsspannenermittlung anhand der Auflage fest. Hierdurch würde hochpreisiger Qualitätsjournalismus zugunsten niedrigpreisiger Massentitel diskriminiert. So erhalte z. B. GEO eine deutlich schlechtere Handelsspanne als eine neue Programmzeitschrift, obwohl das Grosso mit jeder Ausgabe von GEO absolut eine fast doppelt so hohe Spanne erlöse wie beim Vergleichstitel, der zudem die siebenfache Distributionsleistung erfordere. Ähnliches gelte ferner für CAPITAL im Vergleich zu niedrigpreisigen Wirtschafts- und Verbraucherzeitschriften und in vielen anderen Fällen. (vgl. Tabelle)

Langfristig wird das vom Grosso propagierte System der Handelsspannen-berechnung jedoch nicht nur den Qualitätsjournalismus, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Grosso selbst gefährden. Schon heute benötigt das Grosso zur Gesamtkostendeckung mindestens 25 - 30 Pfennig pro verkauftem Exemplar. Bei niedrigpreisigen Massentiteln liegt die Handelsspanne aber oft schon unter 20 Pfennigen. Es sei daher auch im Interesse des Grosso, über das gegenwärtige System der Handelsspannen-berechnung nachzudenken, wenn immer mehr niedrigpreisige Titel immer höher Distributionsleistungen zu nicht kostendeckenden Konditionen erfordern. Anstatt wettbewerbsverzerrende Konditionen einzuräumen, sollte das Grosso überlegen, ob es weiterhin letztlich auf eigene Kosten bzw. auf Kosten höherpreisiger Zeitschriften immer neue niedrigpreisige, auf Verdrängung angelegte Titel subventionieren will.

Peter Caspar Hamel
Pressesprecher
Gruner + Jahr AG & Co
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