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Podcast-Produktion im Kleiderschrank

Hamburg, 3. Juli 2020 - Heute startet die vierte Staffel des STERN-Podcasts „Die Diagnose“. Wer den Podcast hört, was seinen Erfolg ausmacht und wie sie die aktuelle Staffel im Home-Office produziert hat, verrät STERN-Medizin- und Wissenschaftsredakteurin Anika Geisler im Interview.

Wie viele Hörer*innen hat "Die Diagnose", und kannst du sagen, wer da so zuhört?

Im Schnitt haben wir 30.000 Plays pro Folge. Wir kennen unserer Hörer*innen inzwischen ziemlich gut. Etwa 80 Prozent sind weiblich, der Großteil ist zwischen Anfang 20 und Mitte 30. Bei den direkten Rückmeldungen, die ich bekomme, zeigt sich: Die Hörer*innen mögen nicht nur spannende medizinische Fallgeschichten, sondern erhoffen sich durchaus auch die Ursache von eigenen Beschwerden zu finden – für sich, Verwandte oder Bekannte. Und dann erreichen mich manchmal auch Anfragen von Medizinstudent*innen, die noch einmal genauer etwas zu Blutwerten, Untersuchungsmethoden oder Therapien wissen wollen. Dann stelle ich den Kontakt zu den Ärzt*innen her, die mit dem jeweiligen Fall befasst waren.

Der Podcast geht auf eine sehr erfolgreiche Rubrik im STERN-Magazin zurück. Wie unterscheidet sich „Die Diagnose“ im Podcast und im Heft?

In den Podcast-Folgen geht es um ausgesuchte Fallgeschichten aus dem Heft. Im Podcast kann ich die rätselhaften Beschwerden, die detektivische Spurensuche der Ärzt*innen und die überraschende Auflösung detaillierter vorstellen. Die Fachleute können ausführlicher erzählen, wie sie die Lösung des Rätsels gefunden haben. Wir erfahren noch genauer von Irrungen und Wirrungen und Geistesblitzen. Da bleibt auch mehr Zeit für Gefühliges: Ein Arzt berichtet, wie ein Fall ihn tagelang nicht losließ, er eines Morgens um vier aus dem Schlaf hochschreckte und dann den zündenden Einfall hatte. Ein anderer erzählt, wie gerührt er war, als die Mutter einer kleinen Patientin sich nach der Diagnosestellung und erfolgreicher Therapie mit einer Flasche Wein bedankte.

Die vierte Staffel hast Du während des Lockdowns produziert. Wie geht das, einen Podcast im Home-Office aufzunehmen?

Das ist gar nicht so einfach. Wir wollen ja nicht einfach das Telefonat mitschneiden, weil dann die Tonqualität für den Podcast zu schlecht wäre. Wir nehmen deshalb mit zwei Geräten auf: Eins habe ich, eins mein Gesprächspartner in Berlin, Köln oder anderswo. Da kann unendlich viel schiefgehen: Irgendein Bürostuhl quietscht, eine Armbanduhr macht Geräusche, die Kinder im Home Schooling platzen ins Zimmer. Anmoderationen und die Überleitungen habe ich zuhause eingesprochen. Mach das Mal, wenn du kein gut schallisoliertes Tonstudio hast. Ich lebe in einer typischen Altbauwohnung mit nackten Wänden und Holzboden. Das hallt. Nebenan bei mir wird zudem gerade eine Wohnung renoviert. Die Bauarbeiter arbeiten mit der Schlagbohrmaschine und klopfen Fliesen ab. Meine Kollegin Annette Ewen von der Audio Alliance, die den Diagnose-Podcast mit mir produziert, hatte einen Profi-Tipp für mich: beim Einsprechen unter einer Wolldecke sitzen. Oder aber ich spreche in den Kleiderschrank rein: kleiner Raum, viel Stoff, gute Dämpfung. Jetzt stehe ich also immer, wenn die Bauarbeiter Pause machen, vor dem Kleiderschrank, stecke meinen Kopf ein bisschen hinein und spreche meine Texte zwischen Blusen und Kleidern.

Welche medizinischen Fälle erwarten die Fans in der vierten Staffel? Kannst Du schon etwas verraten?

Gleich in der ersten Folge geht es um einen Fall, bei dem am Ende letztlich kriminelle Machenschaften der Grund für die Beschwerden sind. Eine Frau, Mitte 40, fühlte sich seit mehr als einem Jahr kränklich und schlapp, mit Knochen- und Gliederschmerzen. Verschiedene Ärzte tippten auf Rheuma, Gelenkverschleiß, sogar auf eine mögliche Krebserkrankung. Keiner fand etwas. Dann verformten sich die Brüste der Frau und schwollen an. Es sei nur so viel verraten: Am Ende fand eine Chirurgin die Lösung des Rätsels und konnte der Patientin helfen.In einem anderen Fall geht es um Haarschmerzen. Was erstmal komisch klingen mag, ist ein sehr belastendes Symptom – und tritt gar nicht so selten auf. Auf einer Skala von 0 bis zehn gab diese Patientin die Schmerzen mit acht an. Was genau hinter dieser Pein steckte und wie der Frau geholfen wurde, erzählt eine Spezialistin für Haarerkrankungen aus Berlin.Ein dritter Fall handelt von einem Mann, der beim Orgelspielen plötzlich Schmerzen im Arm bekam. Dazu traten Schmerzen in der Brust und Atemnot auf. Ein Herzinfarkt war es aber nicht, stellten die Ärzte in der Notaufnahme fest. Dem Mann ging es immer schlechter, er musste auf die Intensivstation und an die Dialyse-Maschine. Als dann auch noch seine Lebensgefährtin mit ähnlichen Beschwerden in die Klinik kam, fand ein Arzt schließlich heraus, dass alles mit einem Festmahl am Vorabend zu tun hatte