Pressemitteilung

Unicef Deutschland versteigert eine der wertvollsten Kunstsammlungen der Welt – dabei sind auch Gemälde, deren Verkauf dem Kinderhilfswerk bis 2026 untersagt ist

„Das ist ein klarer Vertragsbruch seitens Unicef “, sagt der Leipziger Kunstrechts-Anwalt Christoph von Berg, „und das widerspricht eindeutig dem Willen des Stifters“

Berlin, 15. November 2013 – Das deutsche Kinderhilfswerk Unicef versteigert aus der berühmten Kunstsammlung Rau Gemälde mit Millionenwerten, deren Verkauf dem Kinderhilfswerk bis zum Jahr 2026 eigentlich untersagt ist. Laut Verträgen, die Capital.de vorliegen, hat Unicef sich dazu verpflichtet, die Kernsammlung Rau bis zum Jahr 2026 nicht zu veräußern, sondern 152 Gemälde und Skulpturen im Arp Museum in Remagen zu zeigen. Vereinbart wurde dies in einem Leihvertrag mit dem Träger des Museums, dem Land Rheinland Pfalz sowie in einem Schenkungsvertrag des Sammlers Gustav Rau mit Unicef.

Nun wird bekannt, dass etwa das wertvolle Gemälde „Die Algerierin“ von Jean-Baptiste Camille Corot (1796–1875) verkauft wurde – freihändig, außerhalb der Auktionen. Zusammen mit dem Kunstwerk „Ansicht der Hermitage, Pontoise“ von Camille Pissarro (1830–1903) soll ein anonymer Käufer rund 16 Millionen Euro an Unicef gezahlt haben. Doch das Corot-Bild „Die Algerierin“ gehört eindeutig zur Kernsammlung und dürfte laut den Verträgen eigentlich nicht verkauft werden. Im Vertrag heißt es: Bis zum Ablauf der Frist „ist Unicef jede Verfügung über die Kunstwerke der Kernsammlung, insbesondere eine Veräußerung, Verpfändung und eine Auflösung dieser Kernsammlung untersagt“.

Eine Sonderklausel im Vertrag mache die Verkäufe dennoch möglich, rechtfertigt sich Unicef. Darin sei vorgesehen, dass vom Verkaufsverbot bis 2026 abgewichen werden dürfe, wenn „konkrete Umstände“ dies als steuerlich nachteilig erwiesen. Doch renommierte Experten für Kunstrecht widersprechen der Darstellung des Kinderhilfswerks: „Das ist ein klarer Vertragsbruch seitens Unicef “, sagt der Leipziger Kunstrechts-Anwalt Christoph von Berg, „und das widerspricht eindeutig dem Willen des Stifters“. Die von Unicef genannte Sonderklausel könne nur dann benutzt werden, wenn dem Stifter ein Steuerschaden entstehe. Doch dafür fehlten jegliche Anhaltspunkte. Rau ist seit mehr als einem Jahrzehnt verstorben.

Zudem setzte die Klausel laut Vertrag das Einverständnis beider Vertragsparteien voraus und sei überhaupt keine Rechtfertigung für einseitig von Unicef in Gang gebrachte Verkäufe, betont Anwalt von Berg. Unglaublich, findet der Experte den Vorgang und rät: „Diese Verkäufe müssen juristisch geprüft werden.“

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Matthias Thieme Redaktion ‘Capital‘
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