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Wie berichtet man über Fußball, wenn der Ball in leeren Stadien rollt?

Hamburg, 26. Mai 2020 – Wochenlang rollte der Ball nicht mehr in Deutschlands Fußballstadien. Wie sieht jetzt das thematische Konzept aus, wenn weniger gespielt wird? Wie ist die Wirkung von Geisterspielen auf die Sport-Journalisten und die Meinung zum heiß diskutierten Bundesliga-Start am 16. Mai? 11FREUNDE-Chefredakteur Philipp Köster im Interview.

Wie sieht das thematische Konzept von 11FREUNDE für die kommende Zeit aus, in der weniger gespielt werden wird und Reporter-Reisen und Gespräche vor Ort eingeschränkt sein werden?

Das normale Arbeitsfeld von 11FREUNDE-Redakteuren sind dicht gedrängte Stehplatztribünen, auf denen Fahnen geschwenkt und Lieder gesungen werden. Stattdessen blicken wir jetzt auf leere, graue Betonränge und Trainer, die den Mundschutz abnehmen müssen, um aufs Spielfeld zu brüllen. Also schreiben wir noch mehr über die Schönheit des Spiels, über die Bedeutung der Zuschauer und darüber, was anders werden muss im modernen Fußball.

Könnt ihr ein gesteigertes Interesse wahrnehmen, in diesen Zeiten über den Lieblingssport der Deutschen wenigstens lesen zu können bzw. gibt es mehr Interaktionen auf euren Social Media-Kanälen?

Wenn die Menschen schon nicht ins Stadion gehen können, wollen sie wenigstens möglichst viel über Fußball lesen. Vor der Corona-Krise galten die Bezieher von Zeitschriften-Abonnements ja als so altmodisch wie Besitzer von Telefonen mit Wählscheibe, nun jedoch haben sich unsere neu abgeschlossenen Abonnements nahezu verdoppelt – und im Netz jagen wir von einem Zugriffsrekord zum nächsten. Das freut uns sehr.

Auf was freut sich die 11FREUNDE-Redaktion nach Corona am meisten?

Wir freuen uns sehr darauf, wieder mal am Samstag morgen aufzuwachen, uns mit den Kumpels am Stadion zu treffen, in der Stadionkneipe herumzulungern und dann mit ordentlich Atü auf dem Kessel die Treppen zum Block hochzustolpern, während wir schon die Vereinshymne hören. Und am Montag prahlen wir dann bei den Kollegen mit der anstrengenden Vor-Ort-Recherche.

Gibt es Veränderungen – ob am Heft, in der Produktionsweise oder der Art des Zusammenarbeitens - die ihr auch nach der Corona-Zeit beibehalten wollt?

Zu sehen, dass wir ganze Ausgaben im Home Office stemmen können, war schön und ermutigend zugleich. Was bedeutet, dass wir in Zukunft zur Entscheidungsfindung mal wieder zu Videokonferenzen einladen werden, anstatt uns bei schlechter Luft im Konferenzraum zu drängeln. Insgesamt aber lebt unser Magazin vom Austausch der Ideen vor Ort.

Philipp, wie ist deine Meinung zu dem heiß diskutierten Bundesliga-Start am 16. Mai mit Geisterspielen?

Geisterspiele sind gruselig und eine Karikatur dessen, was Fußball ausmacht. Es fehlt an allem, was uns regelmäßig die Gänsehaut auf die Arme treibt, die Fahnen, die Gesänge, die Interaktion zwischen Spielern und Publikum, sogar das Gepöble gegen den Gästekeeper. Nur was ist die Alternative? Ich fürchte, wir werden bis weit ins nächste Jahr mit Geisterspielen leben müssen.