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Wie verändert sich die Tourismusbranche und mit ihr Reisemagazine?

Hamburg, 07.08.2020 - Das Corona-Virus hat nicht nur Urlaubspläne, sondern auch Themenpläne durchkreuzt – insbesondere die der Reisetitel.  Von einem „immer aussichtsloseren Corona-Themen-Slalom“ zu Beginn der Pandemie bis hin zur aktuellen GEO SAISON-Heftproduktion unter dem Motto „Nah und machbar“ berichtet Markus Wolff, Chefredakteur der GEO- und P.M.-Gruppe, im Gruner + Jahr-Intranet.

Markus, wie habt ihr mit den GEO-Reisetiteln auf Corona reagiert?

Ganz am Anfang hat sich Corona in der GEO SAISON-Redaktion ja eher als blattmacherisches Problem dargestellt. Ein Virus in Wuhan? Dann besser keine Reportage aus China ins Heft nehmen. Das war der Auftakt zu einem immer aussichtsloseren Corona-Slalom: Erst mussten wir eine Geschichte vom Gardasee ersetzen, dann eine aus Österreich und genau zum Beginn des Lockdowns erschienen wir dann mit dem nicht gerade zeitgemäß wirkenden Aufruf auf dem Cover: „Go North! Ab nach Kanada und Alaska“.

Bei GEO SPECIAL saßen wir zu dem Zeitpunkt an der Produktion unseres Alpenheftes – das haben wir dann um einige Zeit verschoben. Passenderweise fiel der Erstverkaufstag nachher genau auf den Zeitpunkt, als die Reisebeschränkungen nach Österreich aufgehoben wurden.

 

Wie geht ihr inhaltlich mit den Reisebeschränkungen um?

Die Vorläufe bei einem Monatstitel machen es enorm schwer, auf die sich so schnell ändernden Bedingungen einzugehen. Inzwischen produzieren wir die Ausgaben mit einer Mischung aus trotziger Zuversicht und einer großen Portion Bauchgefühl. Während des Lockdowns haben wir vor allem auf Inspiration gesetzt: „Jetzt lesen, später reisen“ stand da groß auf dem Titel. Seit einigen Ausgaben heißt unser Motto „Nah und machbar“, in den Sommerausgaben lag der Schwerpunkt auf Reisen in Deutschland. Fernreise-Geschichten gibt’s derzeit eher weniger. Und wenn, mit weniger konkretem Service-Anteil. Sie sind eher als Inspiration und für die Zeit nach Corona gedacht.

Wie nachhaltig wird die Corona-Krise den Tourismus ändern?

Um die Frage zu beantworten, braucht man schon eine sehr gut polierte Glaskugel. Es lässt sich ja nicht einschätzen, wie die Hotels durch die Krise kommen, die Reiseveranstalter, die Kreuzfahrtanbieter, die Airlines. Hurtigruten hat beispielsweise nach dem ersten Corona-Fall seine Kreuzfahrten gleich wieder gestoppt und Qantas fast alle internationalen Flüge nach Australien bis März 2021 gestrichen. Und diese Unternehmen spielen ja eine Schlüsselrolle in der Branche, zumindest im Tourismus wie wir ihn bislang kannten.Bemerkenswert ist aber in jedem Fall, wie Corona die Reisewelt in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt hat. Vor knapp einem Jahr hat der Aspekt der Nachhaltigkeit die Diskussion geprägt. Aber auch wenn die Frage „Wie können wir nachhaltig reisen“ momentan eher „Wie können wir überhaupt reisen“ lautet, halten wir die Klimaschutz-Debatte für enorm wichtig. Deshalb erscheint im Herbst auch zum zweiten Mal eine Green Issue von GEO SAISON, bei der sich alles um die Frage dreht, wie sich Nachhaltigkeit und die Lust am Reisen vereinbaren lassen.

Wohin werden die Menschen reisen, wenn wieder jedes Land bereist werden darf?

Es gibt eine Studie, die einen interessanten Blick in die Zukunft wirft. Sie sagt, es werden sich in der Post-Corona-Zeit zwei Gruppen bilden: Die Mitglieder der einen setzen auf viel bewussteres Unterwegssein. Die andere will dagegen im Zeitraffer alles nachholen, was ihr vermeintlich entgangen ist.

Wie bereitet ihr euch in diesem Segment auf die kommende Zeit vor?

Bei den nutzwertigen Geschichten planen für die nächste Zeit vor allem mit Stücken, die in Deutschland und Europa spielen. Aber uns sollen natürlich die Farben, die uns die Geschichten von anderen Kontinenten ins Heft bringen, auch nicht verloren gehen. Eine zusätzliche Herausforderung ist natürlich: Wir können international momentan kaum Geschichten produzieren, weil uns Corona ja buchstäblich in unsere Grenzen gewiesen hat. Da müssen wir noch stärker als bisher unser weltweites Netzwerk von Autor*innen in Anspruch nehmen.