Inside G+J

"Wir können uns bei G+J über sehr gute Zahlen freuen"

Hamburg, 11. Juni 2020 - Im G+J-Intranet spricht Christina Dohmann, G+J Chief Distribution Officer, über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Vertriebsmarkt und darüber, welche Trends sie in den kommenden Monaten sieht.

Christina, kannst du uns sagen, wie sich die Corona-Krise bisher speziell auf G+J und auf den Vertriebsmarkt allgemein ausgewirkt hat?

Wir können uns bei G+J über sehr gute Zahlen freuen: Der STERN verkaufte während der Corona-Zeit zum Beispiel sieben Ausgaben über Vorjahr und zwei genau auf Vorjahr. Und im Abo können wir mit einer beeindruckenden Zahl aufwarten: In der Hochphase des Shutdowns im April wurden über alle Titel hinweg 66 Prozent mehr Abos generiert als im Vorjahresmonat.Corona trifft den Vertriebsmarkt auch insgesamt überwiegend positiv, obwohl es natürlich in den einzelnen Vertriebssparten Unterschiede gibt. Generell erleben wir, dass Menschen mehr Zeit zum Lesen haben und gerade jetzt auf der Suche nach vertrauenswürdigen Medien und Marken sind. Negative Effekte gibt es natürlich auch: Der Handel kämpft mit den Auswirkungen der Geschäftsschließungen und mit dem stark rückläufigen tourismus- und saisonbedingten Auslandsgeschäft.

Welche Titel und Segmente profitieren von der aktuellen Lage? Wo ist es eher schwierig?

Ausnahmslos alle G+J-Segmente profitieren von der derzeitigen Lage, im April ganz besonders. Der STERN stillt das starke Informationsbedürfnis, den Bedarf nach sinnvoller Beschäftigung von Kindern decken unsere Kinder-Titel ganz hervorragend ab. Titel, die inspirieren und einen auf anderen Gedanken bringen, performen ebenfalls außerordentlich gut, wie z.B. STERN CRIME, BRIGITTE, SCHÖNER WOHNEN, CAPITAL oder 11FREUNDE. Es gibt aber natürlich auch Titel, die zu kämpfen haben: Das gilt etwa für unsere Reisetitel, aber auch für Marken, die vor allem im Bahnhofsbuchhandel oder Buchhandel gut verkaufen, denn die Geschäfte dort öffnen ja gerade erst wieder.

Wie signifikant sind die Unterschiede im Abo gegenüber dem Einzelverkauf?

Das Abo hat mit Beginn der Corona-Krise einen wahren Boost erlebt und liegt ganz deutlich über Plan. Das hängt sicher damit zusammen, dass wir Menschen zurzeit einfach viel besser erreichen, und zwar über alle Kanäle: von Social Media bis Telefonmarketing. Besonders wichtig sind auch die Einsprünge über unsere reichweitenstarken Websites, denn User*innen, die bereits in unserem Markenkosmos sind, konvertieren auch besonders gut in Käufer*innen. Auch die super Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen des zentralen Marketings sowie mit RTL pusht das Abo: Über Radio- und TV-Spots haben wir seit der Corona-Zeit eine große Reichweite nutzen können, aus der enorm viele neue Kontakte entstanden sind, die wiederum sehr gut in Abos gewandelt werden können.

Im Einzelverkauf gehen wir in unseren Prognosen bis zum Jahresende von Verlusten aus, da einige Vertriebssparten wie Flughäfen, Bahnhofsbuchhandel oder das Auslandsgeschäft durch Corona verloren haben. Dagegen laufen positive Entwicklungen im für uns sehr wichtigen Grosso, das grundsätzlich etwa 80 Prozent aller G+J Einzelverkaufserlöse ausmacht. Hier sind Supermärkte und Discounter die deutlichen Corona-Gewinner und genau davon profitieren viele unserer Marken.

Wie laufen unsere Digitalabos und die Plus-Produkte im Vergleich zu der Zeit vor der Krise?

Ganz hervorragend! Seit Corona konnten wir unsere Plus-Abos mehr als verdoppeln, im Vergleich zu der Zeit davor stiegen die Neuabschlüsse um fast 150 Prozent. Besonders STERN PLUS profitiert stark und generiert durchschnittlich 80 Prozent mehr Abos pro Tag als vor der Krise. Auch unsere eMags entwickeln sich erfreulich: Allein im iTunes AppStore verzeichnen wir über alle G+J-eMags hinweg eine Steigerung um ebenfalls 30 Prozent. Das Erfolgsrezept unserer Paid-Angebote hängt nicht nur mit Corona zusammen: Es basiert auf der engen Zusammenarbeit zwischen Redaktionen, Produktverantwortlichen und Vertrieb, der Arbeit an Sprungstellen sowie dem Angebot von immer mehr hochrelevanten Inhalten.

Wie schaffen wir es, weiter stabil durch die nächsten Monate zu kommen?

Wir liegen im Plan, im Abo sogar über Plan. Eine Unbekannte ist die Entwicklung der Nachfrage im zweiten Halbjahr. Persönliche wirtschaftliche Unsicherheiten könnten zu nachlassendem Kaufverhalten führen, was wir wohl als Erstes im Einzelverkauf sehen würden. Kurzfristig erwarten wir erstmal eine stärkere Nachfrage in den Sommermonaten, vor allem in den deutschen Urlaubsregionen, einfach weil die Menschen regionaler reisen werden. Und genau darauf bereiten wir uns gerade gemeinsam mit dem Handel vor.

Wird sich die Arbeit im Vertrieb dauerhaft verändern und wenn ja – wie?

Kern unseres aktuellen Erfolgs ist sicher die ganz enge Einbettung des Vertriebs ins gesamte Haus und die vielen innovativen Ideen. Und natürlich das fast blinde Vertrauen unserer Vertriebsteams zueinander, die sich von Auflagensteuerung bis Kundenservice, von Data Analyse bis Influencer Marketing die Bälle schnell, effizient und unkompliziert zuwerfen. Ich bin sicher, dass wir so bestens für die Zukunft aufgestellt sind. Mit Blick auf den Markt sehen wir bereits heute: Corona beschleunigt existierende Trends und Entwicklungen, vor allem die Digitalisierung. Nicht nur die Art, wie wir arbeiten, auch wie wir kaufen und konsumieren. Strategisch bedeutet das für uns: noch mehr eCommerce und Kundenzentrierung! Der direkte Kundenkontakt wird immer wichtiger, denn je mehr Kontakte wir haben und je mehr wir über diese Kontakte wissen, umso besser können unsere Marken wirken.