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Zwei Reporter. Zwei Medien. Eine Geschichte.

Karin Großmann und Axel Vornbäumen in der Altstadt von Hoyerswerda (Foto: Benjamin Zibner)
Karin Großmann und Axel Vornbäumen in der Altstadt von Hoyerswerda (Foto: Benjamin Zibner)

Hamburg, den 29.08.2019 - Vor der Sachsenwahl haben Karin Großmann, Chefreporterin bei der SÄCHSISCHEN ZEITUNG, und Axel Vornbäumen, Reporter im STERN-Hauptstadtbüro, gemeinsam die Stimmung der Bevölkerung in Weißwasser, Rabenau, Görlitz, Berthelsdorf und Hoyerswerda eingefangen.

30 Jahre nach dem Mauerfall hat die Mauer in den Köpfen der Deutschen noch immer Bestand. "Typisch Wessi", "typisch Ossi": Vorurteile gibt es auf beiden Seiten. Was kann man da tun? Die Perspektive wechseln, zuhören, miteinander reden oder zusammen an einer Geschichte arbeiten. Diese Idee verfolgten Karin Großmann, Chefreporterin bei der SÄCHSISCHEN ZEITUNG, und Axel Vornbäumen, Reporter im STERN-Hauptstadtbüro. Vor der Sachsenwahl haben sie sich gemeinsam auf den Weg gemacht. Zwei Reporter, zwei Medien – entstanden ist eine gemeinsame Geschichte, die am 29. August zeitgleich in der SÄCHSISCHEN ZEITUNG und im STERN erscheint.

Wie entstand die Idee für die gemeinsame Geschichte?

Großmann: Die Idee entstand während eines Besuches der STERN-Kollegen hier in Dresden.

Vornbäumen: Im Gespräch zwischen Ressortleitern und den Chefredakteuren der SZ und des STERN wurde deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven der Hamburger und der Dresdner auf Sachsen sind. Dann wurde die Idee geboren, eine gemeinsame Geschichte zur Sachsenwahl zu machen – mit einem ostdeutschen und einem westdeutschen Reporter.

Hatten Sie die gleichen Vorstellungen über die Reportage oder haben Sie viel diskutiert?

Vornbäumen: Die Struktur der Reportage ergab sich erst nach und nach, mit jedem weiteren Ortstermin war aber klarer, dass wir den Protagonisten in ihrer Unterschiedlichkeit möglichst viel eigenständigen Raum geben müssen.

Großmann: Wir wollten beide herausfinden, warum die Sachsen so ticken, wie sie ticken, und warum es so viel Unzufriedenheit gibt. Wir wollten keine These bestätigt finden, sondern waren offen für Überraschungen. Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben uns die Buchhandlung ‚Art Gorelitz‘ in Görlitz angeschaut. Dass es diesen Ort gibt, wusste ich natürlich. Aber nicht, was für eine tolle Frau die Buchhandlung führt! Die Unbedingtheit von Jana Krauß fand ich sehr bemerkenswert; sie weiß genau, was sie will.

Was hat Sie bei der Zusammenarbeit überrascht am Anderen, gab es Aha-Momente?

Großmann: Es war eine erfreuliche und professionelle Zusammenarbeit, und ich habe mich nur gefragt: Wie bringt der Kollege das alles in so einem kleinen Notizbuch unter?

Vornbäumen: Das kleine Notizbuch konnte ich deshalb verwenden, weil ich mich im Zweifel auf die mitschreibende Kollegin verlassen konnte.

Typisch Wessi/ typisch STERN – typisch Ossi/ typisch SÄCHSISCHE ZEITUNG… Hätte die Geschichte genauso im STERN bzw. in der SZ gestanden, wenn Sie nicht gemeinsam daran gearbeitet hätten? Hat die Zusammenarbeit auch geholfen, aus eingefahrenen Mustern auszubrechen?

Großmann: Ohne diesen Anstoß wäre der Text so sicher nicht entstanden, weil der fremde Blick hilft, scheinbar Vertrautes neu zu sehen. Ich kenne Hoyerswerda zwar, aber eben nicht jede Ecke, durch die uns die ortsansässige Architektin Dorit Baumeister geführt hat. Und sicherlich hätte die SÄCHSISCHE ZEITUNG diesen Rechercheaufwand gar nicht betrieben. Wozu auch, schließlich kennen wir unsere Gegend ja. Die gemeinsame Geschichte war dann aber ein willkommener Anlass, um auch mal mit Abstand darauf zu schauen – sozusagen die Vogelperspektive einzunehmen.

Vornbäumen: Ohne die Expertise und Erfahrung von Frau Großmann hätte ich ganz sicher nicht zum Beispiel den Weg nach Berthelsdorf gemacht. Das ist kein Ort, der uns in Berlin sofort geläufig ist, wenn wir an Sachsen denken.

Karin Großmann, ist Sachsen Ihre Heimat?

Großmann: Ich bin in Karl-Marx-Stadt geboren, habe in Leipzig studiert und arbeite in Dresden – mehr Sachsen geht nicht.

Axel Vornbäumen, wo sind Sie groß geworden?

Vornbäumen: In Unterfranken. Ich habe dann in München und Mainz studiert, habe aber die letzten Monate der DDR als Korrespondent der "Frankfurter Rundschau" in Ost-Berlin erlebt.